Wednesday, May 5, 2010

donaufestival - Mi, 28. April 2010 (Tag 1)





„Spielen sie oder spielen sie nicht?“ Das war die Frage, die sich am Tag der Eröffnung des Donaufestivals 2010 wohl einige stellten.

Ja, Panik! machen Soundcheck, das Equipment ist aufgebaut, alles bereit für ein Konzert. Aber dann Stimmen aus dem Off: Auf diesem Festival wollen sie nicht spielen. Die Bühne wird durch eine gespannte Leinwand geteilt, auf die Leinwand werden Live-Aufnahmen des auf das Konzert wartenden Publikums projiziert. Und im Hintergrund Streitgespräche und Diskussionen um und über Ja, Panik!, das Donaufestival und das werte Publikum. Dann wird mit einem Mal die Szene hinter der Leinwand beleuchtet. Die Personen zu den Stimmen werden sichtbar, in Polstermöbeln sitzend wird getrunken, gejammt, kritisch hinterfragt, die Konzertabsage von Ja, Panik! erörtert und gelästert. Letztendlich kommen die Bandmitglieder doch noch auf die Bühne. Um ihr Equipment abzubauen. Enttäuschte Gesichter, „wos woa denn des bitte?“, Ratlosigkeit und vereinzelt Verständnis für diese laut Programmheft „Entgiftung“.

„Deichkind in Müll“ beginnt mit der Nachstellung einer Familienaufstellung im Loungenbereich. Thema: der Tod des befreundeten Produzenten der Band. Danach „Luftbahn“ mitten im Publikum auf eine seltsam bedrückte Art und Weise. Konfettischauer beenden den ersten Teil und alles drängt in die große Halle 1. Zunächst Schattenspiele und pumpende Bässe, dann fällt die Leinwand und das eben so toll aufgebaute Bühnenbild mit Luftburgen sackt in sich zusammen. „Arbeit nervt“ wird von mit Müllsäcken und leuchtenden Dreieckskopfbedeckungen gut getarnten Frauen Playback dargeboten Sind die Mitglieder von Deichkind austauschbar? Nicht ganz, sie wollen sich in einer Diskurs-Operette, wie das Ganze genannt wird, nur nicht selbst spielen. Stattdessen kommen sie in Alltagskleidung und mit Rucksack auf die Bühne und während Philipp das Konzept erklärt, bürstet sich Porky seelenruhig die Haare. Zwischendurch ungeduldige „spüds endlich“-Rufe aus dem Publikum. Doch nach einem kurzen Einblick in das Backstage-Geschehen während einer Show, gibt sich auch Ferris - natürlich in zivil - die Ehre auf einem Regiestuhl sitzend höchst intellektuell über Deichkind zu philosophieren. Spätestens jetzt wird auch den letzten Unwissenden klar, dass sie sich nicht auf einem „normalen“ Deichkind Konzert befinden. „Aufstand im Schlaraffenland“ wird lautlos zelebriert, „Remmidemmi“ zwar laut aber mit Nachspiel im Haus der reichen Eltern, Wiederverwendungsmöglichkeiten für das „Zitze“ genannte Monstrum von Bühnenequipment werden erörtert, Fanpost wird verlesen und eine Abstimmung im Publikum über die Frage „Ist der Song „Arbeit nervt“ gegen Sozialhilfeempfänger gerichtet?“ durchgeführt. „Voodoo“ und „Hört ihr die Signale“ sind wieder was für Augen und Ohren, letzteres mit einem kleinen Schlagerintermezzo und obligatorischer Wodkadusche für die ersten Reihen. Dann ein letzter „Hoffnungschimmer“ für alle die noch immer auf das eigentliche Konzert warten: Porky und Philipp ziehen Müllsäcke an und bemalen sich mit UV-Farbe. Es folgt: eine Schlussparade und keine Zugabe, wie Porky verkündet, der nach dem Konzert nur in Unterwäsche bekleidet in den Zuschauerreihen herumstreunt.

All jene, die sich die große Party schon von den ersten beiden Acts erhofft haben, kommen bei Bonaparte schließlich doch noch auf ihre Rechnung. Musik zum richtig Abgehen, Maskerade der schrägen Sonderklasse, Häppchen für die ersten Reihen, grotesk-erotische Rollenspiele und auf keinen Fall mehr jugendfreie Tanzeinlagen machen das Konzert zur eindeutig schweißtreibendsten Performance des Tages. Daran kann auch eine kaputte Bassdrum, die während eines Songs ausgetauscht werden muss, nichts ändern.

Alle Fotos von Tag 1 (Vielen Dank Ruth!) hier: gallery

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